| Lulu & Jimi - Kinostart am 30. Januar 2009 |
Ein ungewöhnliches Pärchen muss seine Liebe in der Zeit des Rock'n'Roll in Deutschland beweisen. Nicht nur unterschiedliche Hautfarben, sondern auch eine böse Mutter, ein verrückter Psychiater, der mit schwarzer Magie spielt, und militärische Relikte aus dem 2. Weltkrieg stehen dem Glück der beiden im Wege. Dass sie es trotzdem gemeinsam schaffen - durch die Liebe bzw. eigentlich durch die Ermordung aller Gegner und durch die medizinische Hochleistung eines Arztes auf einem Schiff nach Übersee, der den erschossenen Jimi rettet, ist doch wohl klar. Der Regisseur Oskar Roehler wollte mit "Lulu & Jimi" alle Register ziehen, jedes Genre, das Spaß macht, aufnehmen, um einen Film zu schaffen für diejenigen, die das Kino lieben. Insofern ist der Film sicherlich gelungen, denn der Zuseher wird von einem Genre ins nächste geworfen - ohne Vorwarnung, ohne Sicherheitsgurt und vor allem ohne Rücksicht auf Kontinuität oder Ästhetik. Jedes Register wird gezogen, jedes Genre findet seinen Platz. Ob es tatsächlich noch Spaß macht, will ich hier nicht allgemein beantworten. Meine Begleitung spielte jedenfalls mit dem Gedanken, den Kinosaal nach einiger Zeit zu verlassen. "Lulu & Jimi" ist ein Würfelspiel - man fühlt sich hin- und hergeworfen. Dass "Lulu & Jimi" als Liebesfilm bezeichnet wird, scheint mir rätselhaft. Sicher: Die Liebe spielt eine Rolle, doch wohl nur eine aufgesetzte, eine vordergründig inszenierte, die kein buntes Klischee auslässt und sehr unwirklich bleibt. Die wahre Tiefe des Films spielt sich im Hintergrund ab: Aberwitzige, märchenhaft überhöhte Personen machen den Film zu einem Puzzle, bei dem nicht nur die angeleitete Selbstkastration thematisiert wird, sondern auch ein Kind freudig mit einem Fremden neben seiner hingerichteten Mutter Rock'n'Roll tanzen kann. Die Protagonisten glauben, die Guten zu sein, und werden dem Publikum auch positiv näher gebracht. Dass sie für ihr Glück über Leichen gehen müssen, stehlen und mehrfach in Schlägereien verwickelt sind, scheint da niemanden zu stören. Neben dem kastrierten Vater kommt insgesamt im Film nur noch der Inzest-Bruder gut weg, der, nachdem er die böse Mutter und ihren rosa Schoßhund ermordet hat, den Weg für Lulu und Jimi ebnet, obwohl ihm so seine begehrte Schwester geraubt wird. Wahrlich, eine edle Tat! Neben viel Blut und rassistischen Wortmeldungen bleibt doch das schillernde Ambiente einer künstlich-kitschigen Welt der 50er erhalten, die jedes Genre zu bedienen scheint. Nennenswert ist jene kurze Sequenz, in der eine mordende Frauengestalt auf einer dunklen Landstraße auftaucht und vom nicht angeschnallten, rauchenden Liebespaar beinahe überfahren wird. Diese Gestalt taucht nur auf, um in der nächsten Szene wieder verschwunden zu sein. Auch wenn ihr Beitrag zum Film inhaltlich sicherlich nicht notwendig wäre, so ist es doch ein gelungener Versuch, neben Märchen, Komödie, Roadmovie, Liebes- und Gangsterfilm auch noch dem Horrorfilm ein Mahnmahl... äh... Denkmal zu setzen. Sicherlich ein Film zum Lachen, allerdings vermutlich häufig in Szenen, die nicht dazu gedacht gewesen wären. Vielleicht auch ein Film zum Schweigen, weil man sich irritiert im gepolsterten Kinostuhl verkriecht. Eine bewusste oder unbewusste Satire? Jedenfalls ein Film für jedermann, der das Kino liebt. Zumindest, wenn er es so sehr liebt, dass ihm schon die Atmosphäre des Kinosaals genügt, um hinzugehen. Fazit: So schräg und sonderbar, dass es (beinahe) schon wieder sehenswert ist.
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